Gentle Balance
Sonja Bucher

Wie erkenne ich Rückenschmerzen beim Pferd?

Rückenschmerzen sind leider auch beim Pferd weit verbreitet. Die Ursachen hierfür können sehr vielschichtig sein und reichen von Schmerzen in den inneren Organen
(oft Magen oder Darmprobleme) über diverse Probleme im Bewegungsapparat (z.B. Arthrosen in den Gliedmassen) bis hin zu Fühligkeit der Hufe. Doch wie erkenne ich, ob mein Pferd Rückenprobleme hat?

Checkpunkt 1: Das Pferd im Alltag gut beobachten

Das Pferd im Alltag immer mal wieder aufmerksam beobachten. Sich z.B. einmal für eine Weile auf die Wiese oder in den Offenstall setzen. Dies ist in vielerlei Hinsicht für das Wohlergehen des Pferdes nützlich. Um Hinweise zu sammeln, ob das eigene Pferd an Rückenproblemen leidet, kann man sich v.a. auf Folgendes fokussieren:

Und sehr wichtig:

Checkpunkt 2: Das Pferd bei der Arbeit beobachten

Checkpunkt 3: Regelmässiges Abtasten des Rückens

Ein regelmässiges (2-3x wöchentliches) bewusstes Abtasten des Rückens vor und nach der Arbeit gibt dem aufmerksamen PferdebesitzerIn wertvolle Hinweise über die Entwicklung des Rückens seines Pferdes.

 

Das Abtasten wird mit sanftem Druck von 10-30 Gramm (!) ausgeführt. Wieviel das ist, kann man zu Hause mit einer Küchenwaage testen und ggf. üben. Oft tendiert man dazu, beim Abtasten zu fest zu drücken, weil man denkt, dass man sonst nichts fühlt. Das Umgekehrte ist jedoch der Fall. Es braucht einfach einen Moment des Übens, bis sich die Finger an die «Aufnahme», das Hinhören ins Gewebe gewöhnt haben.

 

Man beginnt im Bereich des Widerristes und tastet den Rücken links und rechts neben der Wirbelsäule bis und mit der Kruppe ab. Zum Schluss lohnt es sich, auch die Muskulatur und die Faszien des Halses abzutasten, denn sie sind eng mit den Rückenmuskeln -faszien verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.

Was beobachte ich?

Wichtig: Die Reaktionen des Pferdes genau beobachten!

Bei allen 3 Checkpunkten ist es wichtig, sehr genau die Reaktionen des Pferdes zu beobachten:

Die grossen Signale verpasst man kaum:

Aber genauso wichtig ist es,
die kleinen und kleinsten Signale zu beobachten!

Diese werden leider oftmals «übersehen». Die Pferde leiden dann still und stumm.

 

Meine Erfahrung mit Pferden zeigt:  Viele Pferde haben schon lange Rückenschmerzen, zeigen es aber nur minim in ihrem Ausdruck.

 

Die grossen Signale wie Beissen oder Schlagen stehen für das Pferd am Ende einer langen Eskalationskaskade. Das Pferd hat schon seit längerem kleinere Signale gesendet, die jedoch übersehen wurden. Leider sind bei einer zu späten Wahrnehmung und wenn das Pferd die “grossen”, bekannten Signale zeigt auch die Schmerzen und die Schäden meistens bereits schlimm und es ist deutlich schwieriger, das Pferd erfolgreich zu behandeln und seine Schmerzen zu lindern.

 

Aus diesem Grund ist es äusserst wichtig, auch schon die kleinen Signale wahrzunehmen. So können Rückenprobleme bereits in ihren Anfängen erkannt und sinnvoll behandelt werden!

Hier braucht es aber auch viel Einfühlungsvermögen und eine gute Beobachtungsgabe, um fair mit seinem Pferd zu sein.

Vermute ich als PferdebesitzerIn bei meinem Pferd Rückenprobleme, dann macht es in jedem Fall Sinn, frühzeitig einen Tierarzt oder Therapeuten beizuziehen.

 

Ebenso macht es immer Sinn, ergänzend zu den Behandlungen mit Tierarzt/Therapeut und ReitlehrerIn/TrainerIn einen soliden Reha-Trainingsplan zu erarbeiten.

Falls Dich das Thema «über den Rücken gehen» des Pferdes interessiert, findest Du unter folgendem Link ein informatives, ausführliches Lehrvideo von Sonja Bucher’s Gentle Balance mit vielen praxisbezogenen Tipps: Video

 

Und auch die Abteilung Sportmedizin des Tierspitals Zürich hat einen kurzen Info-Film mit den wichtigsten Anhaltspunkten zum Thema auf YouTube veröffentlicht: Video

Mit freundlicher Genehmigung